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Claudio Padeste: Anynonimos

Claudio Padeste

Anynonimos

Ja, ich fühle mich heute noch schuldig, wenn ich daran denke, was Martin angetan wurde. Die Hilflosigkeit von damals hat sich so in mein Gedächtnis eingebrannt, dass es mir manchmal vorkommt, als sei Martin erst gestern vergewaltigt worden. Diese grausame Tat hat so viele Leben zerstört: das von Martin, meins, das unserer Klasse und jenes der Täter. Hätte sich Martin nicht auf mich eingelassen, wäre ihm auch nichts passiert. Davon bin ich überzeugt! Ich frage mich bis heute, was aus all diesen Menschen geworden ist. Ich weiss es nicht. Ist vielleicht auch besser so. Erinnert sich ausser mir noch jemand daran, was damals passiert ist, oder bin ich der Einzige? Ich würde zu gerne wissen, ob dieses Verbrechen nur bei mir solch gravierende Auswirkungen auf das weitere Leben hatte, und wenn nein, wieso nicht. Nun, mein ganzes Leben geriet aus den Fugen. Ich verabschiedete mich nicht nur aus der Welt der Kunst, sondern distanzierte mich auch von allen mir bekannten Weltanschauungen.

  • broschiert: 92 Seiten
    Format: 20 x 14
    ISBN 978-3-8316-2256-6
    Erschienen: 14.01.2021

    12,80 €

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Über den Autor

Claudio Padeste, Jahrgang 1971, wuchs in Zug auf. Nach dem Abschluss der Witschaftsmittelschule war er als Buchhalter in einer dort ansässigen Warenhandelsfirma tätig. Von 1992 1995 studierte er Theologie und Philosophie in Luzern. Zurück im Beruf als kaufmännischer Angesteller, war er zunächst als Revisionsassistent tätig. Danach kam der Wechsel in die Administration der Immobilienbranche. Die Auseinandersetzung mit theologischen, philosophischen und ethnischen Fragen beschäftigt ihn bis heute.

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